Die Geschichte des SV Winterstein 90 e.V.

 

Bis vor wenigen Jahren war man davon ausgegangen, dass der Beginn organisierten Sporttreibens in Winterstein auf das Jahr 1926 zu datieren sei. Dank der Arbeit der Ortschronistengruppe des Vereines zur Erhaltung der Burgruine Winterstein e.V. und ihres mittlerweile verstorbenen Mitglieds Rudolf Lang wissen wir heute, dass mit dem im Jahre 1902 gegründeten Turnverein der "Ahnherr" unseres heutigen Sportvereines entstand.

Dieser Verein arbeitete kontinuierlich - bis zum Jahre 1913 waren seine Aktivitäten in der Kirchenchronik unter der Rubrik "Zeitgeschichtliches" dokumentiert. Der I. Weltkrieg unterbrach die Tätigkeit dieses Vereines genau so wie die der anderen Wintersteiner Vereine. Besagte Kirchenchronik gibt uns auch Aufschluss darüber, wann und wie es zu neuer sportlicher Betätigung kam. "Nach dem ersten Weltkrieg war das Interesse am Turnen erloschen. Dafür wollte man Fußball spielen. Deshalb wurde in den Jahren 1921/22 im Sembachtal ein Sportplatz gebaut. Hierfür pachtete die Gemeinde ein Wiesenstück." Im Jahre 1926 kommt es zur Neugründung eines Sportvereines, in welchem der Lehrer Max Heil "Spiritus rector" ist und darüber hinaus mehrere Jahre auch dem Thüringer Wald-Verein Winterstein vorsteht.

Während in diesem neuen Verein dem Fußballsport gehuldigt wird, wird das sportliche Interesse aber bereits breiter. Ausdruck dessen ist die Existenz eines "Arbeiterradfahrer- Bundes" und die ebenfalls 1926 erfolgte Gründung des WSV (Wintersportverein Winterstein). Die "Goldenen Zwanziger" als die Jahre der relativen Stabilisierung der Weimarer Republik wirken also belebend auf die sportliche Betätigung und das sport- liche Interesse ihrer Bürger. Vor Allem der Fußball und der Wintersport erleben in Winterstein eine erste Blütezeit.
Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten werden die Arbeitersport - Organisationen verboten. Die Sportbewegung wird neu strukturiert, steht aber bereits im Schatten der Kriegsvorbereitung. Der Beginn des II. Weltkrieges 1939 unterbricht abrupt jede breitensportliche Betätigung.

Wieder musste nach dem politischen und militärischen Zusammenbruch auch ein neuer sportlicher Anfang gewagt werden. Dies geschah am 01.06. 1946. Nicht zufällig waren es Fußball und Wintersport, die - allerdings unter heute kaum nachvollziehbaren Schwierigkeiten - wieder zu sportlicher Betätigung ermutigten. Neue Organisationsformen mussten gefunden werden. So nannte sich der erste Sportverein, der zum o. a. Datum gegründet wurde, SV Fortuna Winterstein.

Nach der Gründung der DDR im Jahre 1949 begann die Umwandlung der Sportvereine in Betriebssportgemeinschaften. So wurde aus dem SV Fortuna die BSG Motor Winterstein. Erster Trägerbetrieb war die Optik - Zweigstelle des VEB Carl Zeiss Jena. Im Jahre 1955 wechselte der Trägerbetrieb; da nun der Staatliche Forstwirtschaftsbetrieb Gotha den Verein finanzierte, wurde dieser am 01.07. 1955 in BSG Traktor umbenannt. Als am 01.01. 1975 der VEB Thüringer Schmuck Waltershausen die Trägerschaft übernahm, wurde - der damaligen Nomenklatur entsprechend - aus dem "Traktor" wieder sein "Motor" - der Verein nannte sich nun wieder BSG Motor Winterstein.

Mit der gesellschaftspolitischen Wende der Jahre 1989/90 zeichnete sich neben dem Zerfall der der politischen und wirtschaftlichen Strukturen der DDR auch ab, dass die Organisationsstrukturen des Sports nicht mehr haltbar waren. Im Frühjahr 1990 ergriffen 10 Sportfreunde die Initiative zur Neugründung des Vereines auf der Grund- lage des bürgerlichen und des deutschen Vereinsrechtes. Dieser Verein erhielt den Namen Sportverein Winterstein 90 e.V..

Zurück zur Zeit nach dem Ende des II. Weltkrieges. Mit der Wiederaufnahme des Sportbetriebes ging auch die Änderung oder Verbesserung der materiellen Voraussetzungen einher. Der Sportplatz im Sembachtal wurde 1948/49 rekonstruiert und im Jahre 1950 neu seiner Bestimmung übergeben. 1951 konnte die Naturschanze im Sembachtal eingeweiht werden, und nur 10 Jahre später trainierte der Springernach- wuchs auf der "Pionierschanze", einer mit Kunststoffmatten belegten Trainingsstätte an der "Großen Wiese".

Die beiden nachfolgenden Jahrzehnte waren - vor Allem im Wintersport - Blütezeiten des Wintersteiner Sportvereines. In den Beiträgen zu den einzelnen Abteilungen werden hierzu wichtige Aspekte dargestellt. Prägend für diese Zeit und die nachfolgenden Jahre sind - egal unter welchen gesellschaftlichen Bedingungen - die vielfältigen Initiativen aktiver Sportfreundinnen und Sportfreunde zur stetigen Verbesserung der sächlichen Ausstattung des Vereins ( Bau der Langlaufhütte am Thielberg, Rekonstruktion der Mattenschanze, des Vereinsheimes und des Fußballplatzes), immer auch unterstützt durch die jeweiligen Entscheidungsträger in der Kommune.

Parallel hierzu fächerten sich auch die sportlichen Interessen weiter auf, was letztlich zur Gründung weiterer Sektionen oder Abteilungen führte, die aber heute aus personellen oder sächlichen Gründen nicht mehr existieren. Von diesen wären an erster Stelle die Kegel- sportler zu nennen, die von 1948 an nahezu zwei Jahrzehnte ihrem Sport auf der Kegelbahn im Gasthaus "Zum Meisenstein" nachgingen. Mit zeitweiligen Unterbrechungen existierte eine Sektion Schwimmen, die u. a. über einige Jahre hinweg stimmungsvolle Schwimmfeste im herrlich gelegenen Freibad organisierte. Ähnliches trifft auf verschiedene Übungsgruppen im Bereich der Frauengymnastik zu. Über einige Jahre hinweg hatte sich auch eine Abteilung Kraftsport etabliert.

Jüngeren Datums sind in unserem Verein die Herzgruppen, welche sich seit 1996 organisa- torisch in den Verein eingliederten und sich gegenwärtig zur mitgliederstärksten Abteilung "auswuchsen". Möge dem Verein im 104. Jahr seines Bestehens viel Glück beschieden sein; möge es ihm beispielsweise gelingen, seine Nachwuchsprobleme in einigen Abteilungen langfristig zu lösen.

 

Wünschen wir dem Verein, dass er seine Stellung als mitgliederstärkster Verein des Ortsteiles Winterstein der Gemeinde Emsetal zum Wohle des Breitensports erhalten und ausbauen kann.